Entlastung an der Quelle: + 569,89 EUR

Anleitung für die Erstattung der deutschen Abzugssteuer vom Kapitalertrag

Oder: wie man seine in Deutschland zu viel bezahlte KESt zurückholt.

Über Jahre hinweg war ich - aufgrund der eher vernachlässigbaren Summen und des Umstandes, ohnehin fünf Jahre Zeit zu haben- schlichtweg zu faul, mich um meine im Ausland zu viel bezahlten Steuern auf Dividendenerträge zu kümmern.

Worum geht's: bei der Ausschüttung von Dividenden ausländischer Aktiengesellschaften bezahlt man sowohl im Ausschüttungsland, als auch im Heimatland seinen Beitrag an den Fiskus. Beide Beiträge zusammen machen meistens mehr aus, als notwendig (rund 35,7% statt 25% KESt).


Konkretes Beispiel:

Von meiner FPH erhielt ich heuer EUR 2.560,- an Bruttodividende, also unversteuert. Netter Betrag. Doch was passierte dann:

EUR 2.560,- (Brutto)
minus EUR 675,20 (DE: 26,375% KESt + Solizuschlag)
minus EUR 256,00 (AT: 10,00% KESt)
minus EUR 7,68 (Spesen)
= EUR 1.612,12 (Netto)

Ich bezahlte also EUR 931,20 oder 35,7% an Steuern für meine Dividende.

Bei 25% KESt würde ich nur EUR 640,- zahlen und mir so EUR 291,20 ersparen. Dank eines Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Österreich und Deutschland lassen sich diese zu viel bezahlten Steuern idHv 11,375%, wieder zurückfordern.


Schritt 1: Formulare, Formulare, Form.... gar nicht so schlimm!

Entweder man klickt sich durch über
https://www.bmf.gv.at/steuern/int-steuerrecht/rueckerstattung/quellensteuerformulare-von-dba-partnerstaaten.html

oder direkt über
http://www.bzst.de/DE/Steuern_International/Kapitalertragsteuerentlastung/Auslaendische_Antragsteller/Formulare/KapSt_Ausl_Formulare_node.html

zum gebrauchten Formular (man braucht aus Österreich nur eines).

Das richtige Formular heißt: E-deutsch
Antrag auf Erstattung der deutschen Abzugsteuern auf Kapitalerträge gemäß § 43b EStG oder gemäß § 44a Abs. 9 EStG

Dieses füllt man aus (...). Und da heißt es nun ein bisschen rechnen!


Schritt 2: Rechnen!

Rückforderbar sind die 11,375% und das sollte auch der Berechnungsschlüssel für jeglichen Dividendenertrag sein:

Bsp. EUR 2.560,- (Brutto) x 0,11375 = 291,20 Erstattungsbetrag.


Schritt 3: Dividendenbescheinigung

Dividendenbescheinigungen vom Broker ausdrucken und beilegen.


Schritt 4: Wohnsitzfinanzamt

Zum Wohnsitzfinanzamt gehen – warten bis man dran ist (30 Minuten) – sich bestätigen lassen, dass man tatsächlich dort wohnt, wo man angibt zu wohnen (15 Minuten, gratis).


Schritt 5: Ab zur Post

Antrag eintüten - mitsamt den Dividendenausdrucken und abschicken an die Bonner Adresse.


Schritt 6: Drei Monate warten

Einmal ließ ich mich dazu hinreißen, per E-Mail meinen Antragsbearbeitungsstatus anzufragen. Das verlief eher im unkonkretisierten Sand "...haben viel zu tun...es läuft...dauert". Doch punktuell drei Monate nach Einbringung meines Antrages, erhielt ich nun das Geld vom deutschen Fiskus.


Fazit:

Mit Deutschland funktioniert das wirklich relativ unbürokratisch und unkompliziert (wenn man erst einmal das richtige Formular hat.)

Für Frankreich (da könnte ich mir rund EUR 80,- zurückholen) musste ich mich selbst an meinem zu geringem Nachdruck geschlagen geben. Wer hier eine Schritt für Schritt Anleitung hat die funktioniert ohne dass ich mich viel im Französischen umwinden muss, dem überweise ich dankend die Hälfte des Rückerstattungsbetrages (bitte einfach anschreiben! Wäre wirklich dankbar).

Liebe Grüße!
Euer Geldexperiment